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Neorealismus

Der Neorealismus ist eine bedeutende Epoche der Film- & Literaturgeschichte. Er entstand während...
 
Neorealismus, Neorealismo, Neoverismo (1943 ? 1953) Geschichte: Der Neorealismus ist eine bedeutende Epoche der Film- & Literaturgeschichte. Er entstand während der Zeit des italienischen Faschismus unter Mussolini. Der Neorealismus wurde von italienischen Regisseuren, Filmemachern und Literaten und begründet (zB: Roberto Rossellini, Luigi Zampa, Luchino Visconti, Federico Fellini, Vittorio De Sica). Der Neorealismus wurde vom poetischen Realismus Frankreichs beeinflusst. Der Filmtheoretiker Umberto Barbaro brachte 1942 den Begriff Neorealismus das erste mal zur Sprache. Die ersten Werke entstanden 1943: "Besessenheit (Ossessione)" von Luchino Visconti. Der eigentliche Durchbruch des Neorealismus war im Jahr 1945. Robert Rossellini dokumentierte in "Rom, offene Stadt" (Roma, città aperta) die Befreiung Italiens. Ein Jahr später behandelte er in "Paisà" das selbe Thema. Ziel des Neorealismus: Ungeschminkte Wirklichkeit zeigen, das Leiden unter der Diktatur aufzeigen, auf die Armut und die Unterdrücken des einfachen Volks hinweisen. Die Literatur des Neorealismus ist vom kulturellen Nachkriegsleben Italiens gekennzeichnet, das sich auch künstlerisch vom Faschismus befreien wollte. Viele der Autoren standen zumindest zeitweise dem Kommunismus nahe. Die Debatte, welche Funktion der Realismus und welche die Kunst ausüben sollte, sowie der Beitrag der Kunst zu der kulturellen und politischen Regeneration der Nation wurde in den wichtigsten italienischen Zeitungen und Journalen diskutiert und war ein wichtiger Teil des Neorealismus selbst. Große Regisseure: Luigi Zampa: ? "In Frieden Leben (Vivere in Pace)" (1946) ? "Der Abgeordnete Angelina" (1947) ? "Schwierige Jahre" (1948) Vittorio De Sica: ? "Fahrraddiebe (ladri di biciclette)" (1948) -> wird als das Wunder des Neorealismus bezeichnet! ? "Das Wunder von Mailand (Miracolo a Milano)" (1951) ? "Sciuscia" (Schuhglanz, 1946) Giuseppe De Santis ? "Bitterer Reis" (1949) ? "Vendetta" (1950) ? "Germi (Im Namen des Gesetzes)" (1948) Luchino Visconti: ? "Ossessione" (1942) ? "La terra trema" (1947) Roberto Rossellini ? "Roma città aperta" (Rom, offene Stadt, 1945) ? "Paisa" (1946) Gemeinsam ist diesen Regisseuren ein moralisches und politisches Engagement sowie die Ablehnung des faschistischen Unterhaltungskinos und der faschistischen Ästhetik und Zensur und der damit verbundenen künstlerischen und politischen Einschränkungen. Die Neorealisten strebten eine ästhetischen Erneuerung des italienischen Kinos an und lehnten den Eskapismus der Hollywood-Filme ab. Gemeinsam ist den Filmen des Neorealismus eine Fokussierung auf menschliche und soziale Probleme. Themen vieler Filme waren u.a. Krieg und Befreiung sowie soziale Ungerechtigkeit, Arbeitslosigkeit, Armut, Auflösung der traditionellen Familienstrukturen und Kriminalität. Es entwickelte sich ein neues realistisches Kino, das in starkem Kontrast zum Unterhaltungskino des Faschismus stand, das jeglichen Bezug zur Realität ausblendete. In den neorealistischen Filmen wurden soziale Gruppen dargestellt, die in Filmen zur Zeit des Faschismus vernachlässigt wurden: Kinder, Frauen, Arbeiter, Fischer in Sizilien, Pensionisten, Tagelöhner, nach dem Krieg entwurzelte und vereinsamte Menschen. Stilmerkmale: Viele neorealistische Filme waren unrethorisch und verwendeten natürliche Dialoge (Verwendung von Dialekten, die in Filmen zur Zeit des Faschismus verpönt waren), meist wurden Laiendarsteller eingesetzt und es wurde auf Originalschauplätzen und mit natürlichem Licht gefilmt (nicht zuletzt deshalb, da die Studios der Cinecittà während des Krieges zerstört worden waren). Die erstklassigen Drehbücher behandeln ausschließlich aktuelle Themen; auf genaue Beobachtung, Analyse und Darstellung von alltäglichen Dingen wurde großer Wert gelegt. Wenn man etwa 25 Jahre zurückgeht, kann man die späten Einflüsse des Neorealismus beobachten: In Martin Scorseses Film ?Raging Bull? (Wie ein wilder Stier, 1980) kann man den Werdegang des Boxers Jake La Motta beobachten. Dieser erlebt einen Niederschlag nach dem anderen, nicht nur während der Kämpfe, sein gesamtes Leben ist ein einziges Fiasko. Der Film ist in Schwarz-Weiß gedreht, und vermittelt dem Zuschauer in einer sehr drastischen Art die Kämpfe, das Leiden und die Tiefpunkte des Boxers La Motta. Die Einflüsse des Neorealismus sind in diesem Meisterwerk, der unter anderem 2 Oscars sowie 7 weitere Nominierungen erhielt, nicht zu übersehen. Regie: Martin Scorsese Drehbuch: Paul Schrader Produktion: Robert Chartoff, Irwin Winkler Musik: Pietro Mascagni Kamera: Michael Chapman