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Einstellungsgrössen

Was sind Einstellungsgrössen? Was bewirken sie? Jan Schlösser und und Stephan Fischl (Azubi MGBT) haben sich darüber Gedanken gemacht und sie hier niedergeschrieben.
 

Einstellungsgrößen

Obwohl das Filmmachen an sich ein kreativer Beruf ist, wird gerade bei den Kameraeinstellungen immer wieder auf die traditionellen Kamerapositionierungen zurückgegriffen. Dies ist auf das Sehverhalten und die Sehgewohnheiten des menschlichen Auges zurückzuführen. Der Eindruck, der ein Objekt in einem Bild gut aussehen läßt ist seit Jahrhunderten ähnlich, was anhand älterer Malerei deutlich zu sehen ist. Beim Film besteht die Kunst darin, durch die Wahl geeigneter Einstellungen gute Aufnahmen zu machen und diese Szenen so zu schneiden, dass die Stimmung, die Dramaturgie und der räumliche Eindruck gut eingefangen und unter Umständen sogar hervorgehoben werden. Durch verschiedene Einstellungsgrößen lassen sich Schwerpunkte in einer Szene auf Objekte oder Personen setzen. Dadurch ist es möglich, Nähe oder Distanz zu den Protagonisten oder dem Geschehen in einer Szene schaffen.

Die Weite Totale, auch Panoramaeinstellung ? very long shot

Sie wird meistens bei Landschaften eingesetzt und verschafft dem Zuschauer einen Gesamtüberblick über den Handlungsort, z.B.: Sonnenuntergang, Landschaften Panoramaaufnahmen können bei Video nur bedingt eingesetzt werden, da durch die verkleinerte Wiedergabe auf dem Bildschirm Details kaum mehr zu erkennen sind.
Wird diese Einstellungsgröße genutzt, spielt sich das Bildgeschehen häufig auf einer symbolischen und/oder atmosphärischen Ebene ab.

Die Totale - long shot

Sie dient der Orientierung und verschafft dem Zuschauer einen emotionalen und geographischen Eindruck und wird deshalb gerne als Anfangseinstellung einer Sequenz genommen, z.B.: Stadtansicht, Gerichtssaal
Die Totale vermittelt einen Überblick und stellt das Hauptmotiv in seiner Gesamtheit dar.Da sie lange genug sein muss, um dem Zuschauer die Möglichkeit zu geben, alle Details der Szene zu erfassen und sich räumlich zu orientieren, verlangsamt sie damit den Schnittrythmus.
Da das Fernsehgerät  nur ein vergleichsweise kleines Ausgabeformat darstellt, wird die Totale bei Video- und Fernsehproduktionen gerne durch die Halbtotale ersetzt.
Beachte: Beim Schnitt von Totale auf Totale können Probleme bei der szenischen Bildgestaltung entstehen, da dies nicht normalen Sehgewohnheiten des Zuschauers entspricht.
Entscheidet man sich dennoch für diese Variante, sollten Blenden verwendet werden.
Daher sollte diese Variante eher gemieden werden.

Halbtotale - medium long shot

Sie stellt einen begrenzten Ausschnitt des Hauptmotivs dar, in der der Zuschauer die Handlungen der Protagonisten erkennen und mitverfolgen kann, z.B.: eine wichtige Personengruppe die so gezeigt wird, dass sie das Bild in der Höhe ganz ausfüllt.
Diese Einstellungsgröße zeigt entweder den Protagonisten in seinem räumlichen Umfeld, um sein gestisches Verhalten in seiner räumlichen Umgebung in den Mittelpunkt zu rücken, oder sie wird verwendet, um das Blickfeld auf die wichtigsten Objekte des gesamten Bildes zu lenken.

Die Amerikanische - medium shot / knee shot

Diese Einstellungsgröße ist auf die Erfordernisse des klassischen Western zurückzuführen. Sie ist praktisch identisch zur Halbnahen, der Unterschied besteht lediglich darin, dass die Amerikanische sich immer auf Personen bezieht und nicht im Zusammenhang mit Dingen benutzt wird. So wurden bei Westernfilmen Cowboys vom Knie an aufwärts formatfüllend gefilmt, damit der Colt immer im Bild blieb.
Die Amerikanische zeigt den Protagonisten in seinem räumlichen Umfeld und lässt die Darstellung individueller Tätigkeiten mit Armen und Händen zu.

Halbnahe - full shot

Die Halbnahe entspricht häufig der normalen Sehsituation und wird üblicherweise als Einstellungsgröße für eine Gesprächssituation zwischen zwei Personen angewendet. Dabei werden die Protagonisten zu ca. zwei Dritteln ihrer Größe abgebildet.
Durch die häufig einsetzende Unschärfe der Umgebung wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf die Protagonisten im engeren räumlichen Umfeld gelenkt. Dadurch verlässt die Kamera ihre scheinbare neutrale Beobachterrolle und rückt einen bestimmten Bildinhalt in den Vordergrund, sie wertet.

Nahe - medium close shot


Bei der Nahen spielt die Umgebung zwar immer noch eine Rolle, jedoch rückt der Protagonist/das Objekt immer mehr in den Vordergrund.
Beim sogenannten Brustbild werden die Elemente einer Szene sichtbar, die zur Charakterisierung einer Figur beitragen, z.B.: Schmuck, Kleidung
Da die Mimik des Protagonisten erkennbar wird, werden Gefühle und Emotionen auf den Zuschauer transportiert und können von diesem nachvollzogen werden.

Großaufnahme - close up

Mit Großaufnahmen konzentriert sich die Kamera auf wichtige Details einer Szene. Sie verdichtet auf Einzelheiten, die man sonst kaum wahrnehmen würde, z.B.: eine tickende Uhr, der Kopf des Protagonisten.
Bei Großaufnahmen wird Gegenständen eine besondere Bedeutung zugeordnet, sie vermitteln dem Zuschauer eine besondere Erwartungshaltung.
Bei letzterem Beispiel werden die Aufnahmen sehr intim, da sich der Zuschauer ganz dem Gezeigten widmen muss und sich somit nicht den Emotionen des Protagonisten entziehen kann.

Detailaufnahme - extreme close up

Bei der Detailaufnahme wird die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf einen besonders kleinen Ausschnitt aus einem Ganzen gelenkt, z.B.: Auge, Hand, Türknauf
Durch die große intensive Bildwirkung und Aussagekraft dieser Einstellungsgröße wird dem Zuschauer ein Gefühl von Intimität, oder auch das Gegenteil, ein Gefühl der Ablehnung oder sogar Abscheu suggeriert.

Tipps

  • Die Bildkanten sollten an keine Körpergrenze gesetzt werden.
  • Im Besonderen ist darauf zu achten, Gelenke nicht abzuschneiden (z.B.: Knie, Hüfte, Hals, Knöchel)
  • Allgemein gilt, dass die genannten Einstellungsgrößen Richtlinien sind. Häufig ist es der Fall, dass der Regisseur am Set per Gestikulation deutlich macht, welche Einstellungsgröße er haben möchte, dies beugt Missverständnissen zwischen Regie und Kamera vor.

Gewandtheit im filmischen Fachjargon ist jedoch erforderlich.